Pirol

In meiner Alterskohorte, plus/minus ein paar Jahre, gibt es immer wieder Situationen, wo ein verweisendes Stichwort zu einem Loriot-Sketch reicht, um alles zu erklären. Ob im sozialen Miteinander oder im Kampf mit Alltagsgegenständen. Die Essenz der Situationen ist beschrieben. Es fehlt nichts. Nur das Lachen. Und das kommt mit der Erkenntnis. Und mit ziemlicher Gewißheit.

Loriot ist gestern gestorben. Ich werde ihm zu Ehren fleißig kleben. Versprochen.

Wohlfahrtsmarke mit Loriot-Motiv

Und jetzt muß ich erstmal suchen gehen. Irgendwo hatten wir eine leicht zerfledderte Ausgabe von Reinhold, das Nashorn. Mein erster Kontakt mit Loriot.

Akuter Espressionismus

Wissenswertes zu Geschichte und Herkunft, zu Vorbereitung und Zubereitung, zur richtigen Technik, zum passenden Zubehör und zur Ausprägung verschiedener Spezialitäten. Klein, kompakt … nett.
Und wenn man im ersten Moment noch bedauert, daß es keine Geruchsübertragung gibt, merkt man bald: ist gar nicht nötig. Funktioniert auch so. Zumindest bei mir kitzeln die Geschmacks- und Geruchsnerven ;o)

Espressokunst

Ein Coretto ... also mit Allohol

Serendipität durch die Knolle

Wenn ein Francis Ponge über die Brombeere, über den Kieselstein oder über die Tür schreibt, so kann ja wohl auch über die Kartoffel ein weiteres Stück gefertigt werden. Denn dieses ist ein Buch der Serendipität (Schlag nach bei Horace Walpole!) – ein Ding zu finden, das nicht gesucht und doch gebraucht wird. »Andererseits«, so Peter Rühmkorf, »wir züchten hier keine Zierkartoffeln.« »Aus­gebuddelte« Einzelteile der Geschichte sind wie »Kar­toffel­­nester, eine Knolle neben der anderen«. Aber das Thema zeigte sich doch sehr über­raschend und weitumfassend.
[…]
Ist das Ende der Hexenverfolgungen am Anfang des 18. Jahrhunderts auf den Anbau der Kartoffel und der Einführung der Parochial-Schulen zurück­zuführen? Welche Auswirkungen hatte die Kartoffel auf das preußische Beamten­system, auf dienstrechtliches Kün­digungsverfahren und Versorgung von Witwen und Waisen? Wurden die stehenden Heere erst durch den Kartoffelanbau ermöglicht oder folgte der Kartoffelbau dem Heereshaufen? Hängt der Kartoffelanbau mit dem Barock und dem Rokoko zusammen? Hat Rubens seine Rundungen unter dem Einfluß der Kartoffel gemalt? Ist die Knollenfrucht der »Erregung der Venus« dienlich?

Der Einfluß der Kartoffel auf das preußische Bildungswesen
oder eine kurtzweilige Geschichte unserer Knolle in vier Furchen und etlichen Kapiteln

Klaus Henseler. Kartoffel-Geschichte. Klasse!

Eine Karoffel

Günter geht

Wir können doch keine neuen Trennlinien durch Europa ziehen. Ein Land wie Georgien war schon Teil eines christlichen Europas, als unsere Vorfahren in Germanien noch dicke Bäume angebetet haben. Also: „Zu kompliziert“, „zu weit weg“ oder gar „zu arm“ dürfen wir als Einwand gegen einen EU-Mitgliedschaftswunsch nicht gelten lassen.
[…]

Die Türkei hat seit fast 50 Jahren ein Beitrittsversprechen. Ihre Zugehörigkeit zu Europa war geostrategisch nie so wichtig wie heute. Der Islam hatte immer seinen Platz auch in Europa. Europa ist kein christlicher Club. Und die kulturelle Distanz zwischen einer finnischen Universitätsstadt und einem sizilianischen Provinznest ist mit Sicherheit größer als zwischen Köln und Istanbul.

Eigentlich habe ich ihn nie sonderlich gemocht … weder in seiner FDP-, noch in seiner aktiven SPD-Zeit, noch in seiner Präsentation als EU-Kommissar – so ich ihn denn wahrgenommen habe.

Aber heute ein mir sympathisches Interview mit ihm im Kölner Stadt-Anzeiger: Der scheidende EU-Kommissar Günter Verheugen.

Bild von G. Verheugen

Not A Gadget

Uns ist die Fähigkeit gegeben, als Individuum zu handeln, aber wir können uns auch zum Mob zusammenschließen. Dafür gibt es in der Geschichte unzählige Beispiele. Die Weisheit, die aus der Menge heraus entsteht, taugt eigentlich nur dazu, Kalkulationen schneller durchzuführen oder den Marktpreis festzulegen. Und was die Menge beschließt, ist immer noch besser als der Beschluss von Bürokraten. Wenn eine Menge aber nicht nur den Preis eines Produktes festlegt, sondern etwas produzieren will, endet sie leicht als Mob.

Jaron Lanier in einem FAZ-Interview über Scheininformation, digitalen Maoismus, Raumheizer und eine Katze mit Facebook-Profil.

Junge Nutzer, heißt es gewöhnlich, seien die echten Facebook-Leute, und die alten Nutzer verstünden es eigentlich nicht. Ich halte das Gegenteil für wahr. Alte Nutzer haben bereits ihren Freundeskreis und bekommen die Gelegenheit, Freunde zu finden, die sie seit langem nicht mehr gesehen haben. Nutzer, die sich erst erfinden müssen, Teenager vor allem, gehen in die Falle einer fixierten abstrakten Darstellung von sich selbst. Das ist ein riesiges Problem, weil Heranwachsende die Möglichkeit haben sollten, unterschiedliche Rollen auszuprobieren.

Ein Bild von Jaron Lanier

[drüber gestolpert bei hebig.org]

Paulus galore

Paulus schrieb an die Apatschen:
Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.

Und das ist? Na? Richtig … Robert Gernhardt. Vor bald 30 Jahren.

Robert Krell wiederum hat auf seiner Seite (ein wenig runterscrollen) eine Reihe weiterer Paulus-Briefe gesammelt. Fälschungen und Ergänzungen aus eigener Feder sowie Zusendungen anderer.

Paulus schrieb den Chikasaw:
Im Sitzen Pinkeln freut die Squaw.
Paulus lässt die Hopi wissen:
Der Kaugummi muss raus vorm Küssen.

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Und in Anbetracht des Zusammentreffens dreier Roberts hier sollte der Beitrag wahrscheinlich eher Robert galore heißen …