Antiseptikum mit Seitenhals

Was denn … Sie haben wirklich kein Odol?

Eine der Geschichten über den Odol-König Karl August Lingner, die mich immer fasziniert haben.

Da hatte er Anfang der 1890er Jahre, nachdem seine Hinterhofproduktion von Rückenkratzern und Stiefelanziehern keinen rechten Erfolg mehr versprach, soeben das antiseptische Mundwasser kreiert und schickte nun in den Semesterferien eine Horde Studenten in die Dörfer des Erzgebirges. Die hatten auf ihrer Wanderung jedes Seifen- u. Drogeriegeschäft aufzusuchen, dort Odol zu verlangen und anschließend den Ladenbesitzer völlig fassungslos »Wie, das kennen Sie nicht?« zu fragen. Was in kürzester Zeit Lingners Auftragsbücher kräftig füllte.

Seine erste Marketing-Großtat … nach dem Entwurf der unübertrefflich prägnanten Seitenhals-Flasche, wohlgemerkt. Und dem in allen Sprachen gleichklingenden Markennamen Odol, natürlich.

Aber auch sonst tat Lingner sich eifrig als Marketing-Pionier hervor. Ein eigenes Anzeigenkontor speziell für Odol, eine konzertierte Werbeaktion für 1 Million Reichsmark (zeitgleich in allen wichtigen Publikationen weltweit) und schließlich 1911 die 1. Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden … mit fünf Millionen Besuchern aus aller Welt während eines halben Jahres. Diese Austellung begründete auch den späteren Bau des Hygiene-Museums in Dresden.

Der Schweizer Ableger der Odol-Seiten bietet einen kompakten und informativen Überblick zur Historie – von 1893 bis 2006.

Eine ausführliche Biographie Lingners sowie Texte und Bilder zu Leben und Schaffen bietet das Lingner-Archiv von Dr. Ulf-Norbert Funke.

Bild aus der Odol-Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.