Offending

Ich hätte es wissen müssen.

Bitte beachten Sie, dass einige der in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke Ihre Wert- oder Moralvorstellungen verletzen können. Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die deshalb nur in Begleitung Erwachsener auf deren Verantwortung die Ausstellung besichtigen sollten.

Allein schon dieser Hinweis am Eingang reichte, um meine nach unten offene Kulturpessimismusskala zum klingeln zu bringen. Wird das demnächst an jedem Museum und in jeder Ausstellung hängen?
Vor allem war ich dadurch schon genervt, noch ehe ich in den Ausstellungsräumen war.

David Lynch – Dark Splendor (Raum-Bilder-Klang)

Im Vorraum dann der einleitende Wandtext zu Künstler und Werk. Mit Beschreibung seines Erweckungserlebnisses in den Mittsechzigern: Eines Morgens betrachtete er ein Bild, an dem er grad arbeitete und das Bild bewegte sich und gebar Musik.

Ach Gottchen ja, ich als älter werdender Sack und bekennender alter Spießer dachte nur, Mönsch, da hätte ich dringend meine Rauchwaren gewechselt. Aber was macht Herr Lynch? Er weiß nun, daß er Filme machen muß. Sich bewegende Bilder und Musik. Und die macht er. Gute. Beeindruckende. Faszinierende.

Aber er macht natürlich auch weiter Bilder, Photos und Installationen (und tranzendentale Meditation, aber das ist eine andere Geschichte ;o)) Einen kleinen Teil davon gibt es bis Ende März im Max-Ernst-Museum in Brühl zu sehen.

Lithographien, räumliche Bildinstallationen hinter Glas, s/w-Photographien sterbender Industrie, eine Rauminstallation (nach einer älteren Zeichnung von ihm) u.a.m. … manches davon nett, aber spannend oder aufregend? Verstörend? Mitnehmend? Wahrlich nicht.

Auch die in den hinteren Raumteilen plazierte Sammlung von pornographischen Postkarten der 1900er Jahre, bei denen mit Filtern eines Grafikprogramms Körperteile deformiert oder abgetrennt wurden … auch das eher banal. Aber neben der Düsternis und surrealen Gewaltdarstellung sicherlich mit verantwortlich für die alberne Jugendschutzwarnung.

Grafisch interessant die Lithographien im Eingang, nett die Vitrine mit Streichholzbriefchen, auf denen sich Skizzen, Zeichnungen und filigrane Bilder finden. Schön die Möglichkeit, sich Kurz- und Langfilme von Lynch im integrierten Kinosaal anschauen zu können.

Und wer nun eine richtige Ausstellungsbesprechung lesen möchte, möge in die ZEIT schauen. Allein schon des letzten Satzes wegen:

„Lynch zeigt, was passiert, wenn man Warhols Tomatendosen aufmacht, seine Bananen schält und seine Wandblumen pflückt.“

Frontbild der Austellung Lynch - Dark Splendor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.